Ein Kapitel aus MOTIVES – Episode 1 – Eifersucht

Einige Tage vorher

 

Kalt und nass! Modriger Geruch wehte ihr um die Nase und als sie verwirrt die Augen öffnete, blendete sie grelles Licht, das erbarmlos auf ihre Netzhaut traf. Bei dem Versuch den Kopf zu drehen, stellte sie erschrocken fest, dass sie ihn nicht bewegen konnte. Keinen Millimeter. Sie wollte mit der Hand ertasten, warum sie in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt war, doch diese war mit der anderen hinter ihrem Rücken festgebunden. Mit einem Schlag wurde ihr klar, dass diese Situation ganz und gar nicht normal war. Panisch riss sie die Augen auf, starrte unentwegt in grelles Licht, versuchte, auszumachen, was hier nicht stimmte, wo sie sein könnte, aber die Angst bremste ihre Gedanken, die  sich  ihren Weg durch ihr Gehirn bahnten. Irgendwo hinter ihr tropfte es, ansonsten vernahm sie keine Geräusche. Etwas nasses, warmes berührte ihre Lippen. Blut! Ihr Blut? Verflucht nochmal, ich will endlich wissen, wo ich bin. Ohne, dass sie es kontrollieren konnte, fingen ihre Beine an zu zittern. Die Füße klatschten nackt auf kalten, steinigen Boden. Nackt! Sie war nackt. Angst kroch ihr den Rücken hinauf. Immer noch starrte sie in das gleißende Licht, konnte aber jetzt eine Glühbirne sehen, die Umrisse eines Lampenschirms. Offensichtlich hatte jemand eine Lampe direkt vor ihr Gesicht gestellt. Der Kopf steckte in einer Apparatur fest. Schritte näherten sich, noch dumpf und hallend. Bis dieser jemand stehen blieb. Sie hörte einen Schlüssel, der gegen andere klapperte. Das Schloss drehte sich um, die Tür wurde geöffnet. Mit klopfendem Herz saß sie da. Die Angst hatte ihren Höhepunkt erreicht. Das Zittern wurde stärker. Die Schritte kamen näher, gleichmäßig. Jemand pfiff eine ihr nicht bekannte Melodie. Und dann war Stille. Außer dem regelmäßigen Tropfen hinter ihr, vernahm sie keine Geräusche mehr. Es kam ihr vor wie Stunden. Das Zittern wurde nun so stark, dass die Füße unkontrolliert wie bei einem Anfall auf den Boden klatschten. Stuhlbeine setzten sich in Bewegung. Und dann ging das Licht aus. Ihre Augen konnten sich nicht so schnell auf die Schemen einstellen. Das Gehirn versagte für einen kurzen Augenblick. Krampfhaft versuchte sie zu überlegen, was passiert war, bevor irgendjemand sie auf diesen Stuhl gesetzt hatte. Doch die Angst nahm ihr jegliche Bemühungen daran. Sie blinzelte ein paar Mal, doch sie erkannte nur einen Schatten, der sich nicht bewegte, der aber unmittelbar in ihrem Sichtfeld stand. Als dann seine Stimme erklang, zuckte sie zusammen. Vor lauter Angst entleerte sie ihre Blase, spürte wie sich die warme Flüssigkeit unter ihrem Po sammelte, um schließlich an ihrem Oberschenkel herunterzulaufen.

„Du liebst Katzen?“

Was ist das für eine Frage? Eine Fangfrage? Wenn sie korrekt antworten würde, würde nichts passieren? Die Stimme klang schrecklich ruhig. Sie musste an die Bücher denken, die sie sonst so gerne las. Waren die Verrückten darin nicht auch immer alle sehr ruhig? Versuchten eine Beziehung zum Opfer aufzubauen. Kam einer von ihnen je frei? Nein! Sie war sowieso schon tot! Egal was sie tun würde, sie war tot. Krampfhaft überlegte sie, wie die Überlebenden aus den Büchern frei gekommen waren. Entmutigt ließ sie die Schultern hängen. Meistens kam in aller letzter Sekunde der FBI Agent zur Hilfe. Wieder kreisten ihre Gedanken um die Zeit vorher. Was war passiert? Wie konnte sie hierher gelangen? Doch da erklang die Stimme wieder. Wütend! Der Schatten bewegte sich auf sie zu.

„Antworte!“

Schweiß bildete sich unter ihren Achseln, doch sie entschied sich, ihm zu antworten, denn tot war sie ohnehin schon. „J-j-a.“ Ihre eigene Stimme zu hören, schürte die Angst noch mehr, denn sie klang zitternd und viel zu leise. Das Atmen konnte sie kaum noch kontrollieren, geschweige denn, die Luft, die durch ihre Lippen strömte, um die Worte hinauszutragen. Nun kam der Schatten näher, so nah, dass sie sein Gesicht erkennen müsste. Doch er trug eine Skimaske und so konnte sie nur seine dunklen Augen erkennen, die sie voller Hass musterten. Warum? Was hatte sie ihm getan? Kannte sie ihn? Waren sie sich schon begegnet? „Gut.“ Einfach nur gut? Was war daran gut? Wieder bewegte sich der Schatten, doch er geriet außerhalb ihres Sichtfelds. Sie lauschte, was er nun vorhatte. Die Tür öffnete sich wieder, ein schleifendes Geräusch, als würde er etwas in das Zimmer schieben. Ein Ohrenbetäubender Lärm drang zu ihr. Fauchen, Kreischen, klägliches Wimmern von Katzen. Es mussten mindestens ein Dutzend sein. Weiterhin versuchte sie, sich zu befreien, aber er musste sie mit Kabelbinder hinter ihrem Rücken gefesselt haben. Der Druck auf ihre Handgelenke stieg, je mehr sie versuchte, sich zu befreien. Der Geruch von Ammoniak erreichte ihre Nase. Die Katzen waren ebenso panisch wie sie selbst.

„Töte diese Katze. Dreh ihr den Hals um.“ Als hätte sie nicht verstanden, zog sie die Augenbrauen hoch, schnappte nach Luft, war versucht, den Kopf zu schütteln. „Ich werde deine Fesseln entfernen. Nimm den kleinen Kopf und drehe ihn um.“ Sie konnte doch nicht… sie würde doch nicht. Nein. Das konnte sie nicht. „Tu es!“ Kalt, berechnend. Die schrecklichste Stimme, die sie je gehört hatte. Der schrecklichste Moment in ihrem Leben. Der Schatten verschwand wieder und sie spürte, dass er den Kabelbinder durchtrennte. Sie formte ihre Hände zu Fäusten und öffnete sie wieder. Dann war er wieder vor ihr, legte ihr etwas auf den Schoß. Glücklicherweise konnte sie den Kopf nicht nach unten beugen, vielleicht würde es ihr nicht schwerfallen, wenn sie das Tier nicht sehen könnte. Als ihre Hände das weiche Fell berührten, zuckte sie zurück. Es war warm, voller Leben, es hatte schnell geatmet, windete sich unter seinen Händen, die es ihr in den Schoß drückten. Genervt schnappte er sich die linke Hand. Ein fürchterlicher Schmerz durchzog sie. Was hatte er getan? „Tu es, oder an der anderen Hand hast du auch keine Finger mehr.“ Er hatte ihre Finger abgetrennt? Hitze durchströmte ihren Körper, Adrenalin floss durch ihre Adern, ließ das Blut ungehemmt hinaus schießen. Ohne darüber nachzudenken, legte sie die andere Hand um den Katzenkopf, hielt den Körper mit dem Handstumpf fest und drehte ihn schnell nach links. Das Tier wehrte sich, krallte sich in ihre Oberschenkel, aber ihre Angst und das Adrenalin verliehen ihr die nötige Kraft. Die Kraft zu überleben. Ein Knacksen ertönte und der Körper erschlaffte. Tränen liefen an ihren Wangen hinab. Sie hörte ein Klatschen. Klatscht der etwa in die Hände? Sekunden später, drehte er ihre Arme wieder auf den Rücken und fesselte sie erneut mit Kabelbinder. Vor ihren Augen tanzten Sterne auf und ab und als sie das Bewusstsein verlor, entleerte sie erneut ihre Blase.

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Willkommen auf dem MOTIVES Blog

MOTIVES wird eine Psycho-Thriller Serie vorerst im eBook Format.

Inhalt:

Eine junge FBI Agentin kämpft gegen ihre Dämonen ihrer Vergangenheit. Als sie erst zehn Jahre alt ist, stürzt sich ihr Vater aus ungeklärten Gründen vom Dach eines Hochhauses in New York. Ihre Mutter und die kleine Vivian Davis sind Zeugen des schockierenden Selbstmords. Wenige Augenblicke später wird ihre Mutter hinterrücks erschossen.

15 Jahre später beginnt Vivians Karriere beim FBI. Zwanzig Wochen wird sie die Spezial Einheit “Special Victims” mit ihrem analytischen Verstand unterstützen. Immer noch will sie unbedingt die Tat aufklären. Ein Katz und Maus Spiel beginnt. Wem kann sie vertrauen? Wer ist ihr Freund, wer ihr Feind?

Sie kämpft in zehn spannenden und kurzen Episoden gegen psychisch kranke Menschen, die grausame Morde begehen. Jede Episode ist ein Mordmotiv und mit jeder Folge kommt sie ihrem eigenen Geheimnis ein Stück näher.

Geplantes Erscheinungsdatum ist Mitte 2013. Ab dann immer monatlich. Bleibt dran, verfolgt den Fortschritt von MOTIVES.